Bronzefrau Nr. II
In Thomas Schüttes äußerst vielfältigem Werk, das von Architektur bis zum Blumenaquarell reicht, gibt es eine Werkgruppe von 18 in Bronze, Stahl oder Aluminium ausgeführten Frauenfiguren. Alle stellen sie Körper dar, in denen fast naturalistische neben abstrahierten, fragmentierten, wie zerschmolzen wirkenden Partien stehen. Schütte arbeitet hier bewusst in kunsthistorischem Kontext. Der nackte Frauenkörper gehört zu den beliebtesten Motiven, auch die Gussverfahren und als Material vor allem Bronze gehören zum tradierten Kanon der Kunst. Auch die Bronzefrau II ist in Bronze gegossen. In kniender Position mit geneigtem Oberkörper befindet sie sich auf einem großen Tisch aus Corten-Stahl, der die Funktion eines Sockels übernimmt, in seinen Abmessungen aber eher für eine liegende Figur geschaffen scheint. Es entsteht so der Eindruck, als würde die Figur sich gerade in einer Bewegung befinden, bei der es sich um ein schmerzhaft gequältes Drehen und Winden handelt. An der Stelle, an der sich der Kopf befinden müsste, erscheint eine abstrakte Masse mit grober Struktur, die sich von den geglätteten Körperpartien unterscheidet. Ein Formfindungsprozess, der nicht die Nachbildung eines bestimmten Körpers zum Ziel hatte, sondern eher in der Kombination, dem Wegnehmen und Hinzufügen von Massen bestand, wird so nachvollziehbar. Die Bronzefrau verbleibt in einem Schwebezustand zwischen Abstraktion und Expression.
Thomas Schütte
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Skulpturengarten Museum Haus Esters / Haus Lange, Wilhelmshofallee 91, 47800 Krefeld


