Cumulus

Am Lippstädter Stadttheater schwebt auf einem schlanken Stahlarm eine stilisierte Cumulus-Wolke über dem Wasser des Kanals. Der Stahlarm ist nicht schwenkbar, die Wolke am Ende der Traverse dreht sich um ihre eigene Achse. So verändert das Objekt durch Windeinwirkung unmerklich seine Position und Kontur und weist bei jeder Begegnung eine andere Formvariante auf. Ähnlich einer gezeichneten Schraffur ist die Wolke durch horizontale Umriss-Linien dargestellt.
Das Gebilde ist in 27 transparenten, im Abstand aufeinander liegenden Scheiben aus Plexiglas aufgebaut, die an ihrer dünnen Stirnseite jeweils von einer Neonkontur umlaufen werden. Bis auf die Traverse sind alle Materialien transparent, farblos und reflektierend, so dass tagsüber, je nach Sonnenstand und Wetter, das Wolkengebilde metallisch reflektiert oder sich nebelartig auflöst. Nachts schimmert es eisblau.
Auf hervorragende Weise stellt „Cumulus“ Verbindungen zu benachbarten Arbeiten der Lichtpromenade her und ergänzt die räumliche, künstlerisch-formale und inhaltlich-thematische Struktur des Lippstädter Lichtkunstwegs. Wer möchte, mag verborgene Zusammenhänge erkennen: „Das Ergreifen“ von Johannes Jäger in seiner gestischen Verwandtschaft mit der Wolke, die wie auf einer stählernen Hand balanciert. Die schwebende Schrift von Gunda Förster („Schwimmen – Fliegen – Schweigen“) als thematischer Bezugspunkt. Der „Weg der Schiffer“ von Offermann in seinem Spiel um Signale und funktionales Licht. Gereon Leppers „Nachtflug“ als über dem Wasser schwebender Körper, der Natur und Technik verbindet.
Die Neonwolke wirkt als Kandelaber vor dem Theater, als Lichtsignal und grüßende Geste an einem der alten Lippstädter Stadteingänge, als Mobilée und Windspiel über dem Wasser, als Wolkenkuckucksheim oder futuristische Denkblase. „Cumulus“ bildet so einen vieldeutigen, auffälligen und poetischen Blickpunkt an einem der prominentesten Orte der Stadt.
Text: Dirk Raulf (Kurator)

Weitere Informationen: https://www.lippstadt.de/kultur-tourismus/kunst-und-kultur/lichtpromenade


Thorsten Goldberg

1960
geboren in Dinslaken; lebt seit 1990 in Berlin.
 
Studium an der Kunstakademie in Stuttgart.
seit 2001
Lehraufträge und Gastprofessuren an der Alice-Salomon Hochschule in Berlin und an den Kunsthochschulen Kunstakademie Münster, AdBK in München, UfG Linz/Österreich, zuletzt als Professor für Kunst und Medien an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel.
seit 2011
Mitglied im Beratungsausschuss Kunst (BAK) zur Beratung der für Kultur zuständigen Senatsverwaltung in Angelegenheiten der Kunst am Bau und der Kunst im Stadtraum in Berlin.
 
Thorsten Goldberg ist Initiator und Mitherausgeber des Public Art Wiki, eines Internetlexikons zur Kunst im öffentlichen Raum.

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Ort
Lippstadt
Lippstadt, am Stadttheater, Cappeltor 3
Künstler
Thorsten Goldberg
Jahr
2008
Maße
140 x 150 x 200 cm, Tragarm 560 cm
Material
Stahl, Plexiglas, Leuchtstoffröhren
Objektart
Lichtinstallationen
Kunst im öffentlichen Raum NRW