Der Spiegel
Ein dreißig Meter hoher Stahlrahmen wird von zwei unterschiedlich langen Teleskopstangen in einer aufrechten Position gehalten, die jedoch so fragil wirkt, als könne die Kontruktion auf dem in sanfte Wellen gelegten Terrain jederzeit schwingen oder kippen. Der Rahmen enthält jedoch keinen Spiegel, wie es der Titel suggeriert, sondern er bietet in seiner Hauptansicht von der Straße aus einen Durchblick auf die weiße, schiffsähnliche Architektur der Bielefelder Stadthalle. Nicht nur das horizontal gelagerte Bauwerk erhält so einen Rahmen, sondern es wird mit dem Himmel über ihr in ein hochformatiges Bild verwandelt, das sich je nach Witterung und Betrachterstandpunkt ändert.
Die Künstlerin, die im Innen- und im Außenraum mit den unterschiedlichsten Medien und Materialien experimentierte, hat hier im Vergleich zu ihren oft überbordenden Assemblagen aus Kunst- und Alltagsmaterialien eine formal reduzierte Skulptur geschaffen. Ähnlich wie ihre Torskulptur an der Universitätsbibliothek zu den Münsteraner Skulptur-Projekten 1987 macht sie die umgebende Architektur zum Bestandteil ihres Bildwerkes.
Isa Genzken
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Bielefeld, vor der Stadthalle, Willy-Brandt-Platz 1


