Die Salztangente – Bocholt-Barlo
Salz – Symbolik und Aberglaube
Viele Elemente, Gebrauchsgegenstände und Handlungen sind zum Gegenstand symbolischer, aber auch abergläubischer Betrachtung geworden. In diesem Zusammenhang findet natürlich auch das Salz eine gebührende Beachtung. Salz, auch wegen seiner Seltenheit bereits in früheren Zeiten von hohem Wert, galt in vielen Kulturen als heilig, häufig auch als Symbol für Lebenskraft und unheilabwehrend.
Da es oft durch Verdunstung gewonnen wird, sah man in ihm auch das Sinnbild einer Verbindung von Wasser und Feuer. Das im Ozean sich auflösende Salzkorn ist ein Symbol für das Aufgehen der Individualität im Absoluten. Wegen seiner grundlegenden Bedeutung für das Leben, seiner Würz- und Reinigungskraft, seiner Unverweslichkeit und Konservierungskraft und wegen seines lichten, transparenten Aussehens ist es gleichermaßen ein Symbol für moralische und spirituelle Kräfte. Mit besonderem Bezug auf seine Würzkraft gilt das Salz auch als Sinnbild der geistreichen Rede und des Witzes. Die Salzwüste gilt als Symbol der Unfruchtbarkeit und Verdammung. Hier erscheint das Salz im negativen Sinne.
„Abwehrzauber bewirkte das Salz, indem es, bei nahendem Gewitter mit Weihwasser ins Feuer gesprengt, die Gefahr abwende oder indem ein Teller voller Salz Blitzfeuer löschen soll. Salz, in die Kleider gesteckt, schütze gegen den bösen Blick, wie es allgemein gegen Behexung helfen soll. Brot und Salz rückwärts in fließendes Wasser geworfen, schwemme die Krankheit fort. Als Vorzeichen wirke Salz, besonders wenn es verschüttet wird; das soll bei Tisch Auftreten von Zank oder Verschütten des Glücks bedeuten.“ (Der Große Brockhaus, 1933)
Brot und Salz sind das Symbol der natürlichen Lebenshaltung; früher gab man sie dem Brautpaar, heute gibt man sie den in ein neues Heim einziehenden. Bündnisse und Freundschaften wurden durch gemeinsames Kosten von Salz besiegelt.
Hanspeter Dickel, Stadtarchivar, Gronau
Franz John
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