Die Salztangente – Südlohn-Oeding
Stellen Sie sich vor…
Sehr langsam, doch unaufhaltsam segeln zwei kolossale Kontinente über die Erdoberfläche. Sich immer weiter annähernd schrumpft der dazwischen liegende Ozean, bis die Feldmassen sich schließlich vereinen. Krachend und berstend taucht ein gewaltiger Gebirgszug auf, Felsen verdrehen sich und zerbrechen.
Immer höher erheben sich die Berge, bis ihre Spitzen mit Eis bedeckt sind. Dann beginnen die Felsen an der Oberfläche zu zerkrümeln – Gletscher, starker Regen und reißende Flüsse spülen das Geröll die Abhänge hinunter in die Täler. Die Erosion verflacht die aufstrebenden Berge – und nach vielen Millionen Jahren ist alles, was übrig bleibt, eine hügelige Landschaft.
Hätten Sie sich vor dreihundert Millionen Jahren an diesem Ort befunden, könnten Sie südlich von hier die weißen Spitzen dieser riesigen Gebirgskette sehen. Die heutigen Alpen gab es damals ebenso wenig, wie den Atlantischen Ozean. Das nächste Meer lag weit hinter diesen urzeitlichen Bergen, sodass Feuchtigkeit dieses Gebiet kaum erreichen konnte. Durch die fortdauernde Bewegung der kontinentalen Landmassen senkte sich diese trockene, vom Festland umschlossene Region immer weiter in die Tiefe. Eine gewaltige geologische Depression erstreckte sich von England bis nach Litauen, in der sich die von den Bergen gespülten Sande und Tone sammelten.
Die Gegend hier war ungemütlich – heiß, dürr und karg, eine wahre Sahara. Wilde Flüsse sammelten die heftigen Regengüsse in den Bergen und führten das Wasser in enorme Seen, in der es sich zu Sole konzentrierte; vergleichbar dem Toten Meer in heutiger Zeit. Grellweiße Krusten aus Kalkstein, Gips und Salz ließen unsere Augen erblinden.
Der Absenkungsprozess hielt an und bewegte das gesamte Becken immer weiter unter den Meeresspiegel. Durch eine enge Passage, tausende Kilometer aus dem Norden kommend, bahnte sich vor 260 Millionen Jahren Meerwasser seinen Weg und überflutete urplötzlich das gesamte Gebiet. Ein Binnenmeer ersetzte die historischen Salzseen, in das – umschlossen von den Landmassen – nur wenig frisches Meereswasser vordringen konnte. Das Klima war so trocken, dass das Wasser evaporierte und sich in wenigen Millionen Jahren enorme Salzmassen ablagerten. Dieses urzeitliche Salz wird hier abgebaut und würzt heute unsere Mahlzeiten.
Und was ist von der alten Gebirgskette übrig geblieben? Der größte Teil liegt jetzt unter der Erdoberfläche, aus der lediglich ein paar bescheidene Überbleibsel herausragen – etwa in den Ardennen, der Eifel oder dem Harz.
Stellen Sie sich vor: Sie müssen gar nicht weit reisen, um Wüsten und Salzseen zu finden. Es ist alles da – genau unter Ihren Füßen.
Dr. Peter Westbroek, Universität Leiden
Franz John
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