Grand Vitrail Cinetic
Das „große kinetische Glasfenster“ des Mitbegründers der Op-Art entstand für und zeitgleich mit dem Hörsaalzentrum Ost der Ruhr-Universität. So nutzt es die architektonischen Vorgaben optimal aus und setzt gleichzeitig einen besonderen Akzent. Die doppelte Glaswand des Foyerbereiches erstreckt sich über zwei Geschosse. Vaserely teilte sie in vier mal vier quadratische Felder auf, die im Siebdruckverfahren mit für den Künstler charakteristischen optischen Täuschungen bedruckt wurden.
In jedem der Felder sind kleinteilige Rechteck- und Ellipsenformen so angeordnet, dass sie zusammen eine sich vorwölbende Kugel ergeben. Geht der Betrachter an der Fassade vorbei, beginnen die Kugeln, sich zu drehen. Aber sowohl der dreidimensionale als auch der kinetische Effekt sind lediglich darauf zurückzuführen, dass Mechanismen der optischen Wahrnehmung geschickt ausgenutzt werden, um diese Illusionen zu erzeugen. Tatsächlich handelt es sich um zweidimensionale Bilder.
Mit dieser Arbeit greift Victor Vaserely zurück auf seine bereits in den 1950er Jahren begonnene Werkgruppe der „Blancs et Noirs“, in der er auf jede Farbigkeit verzichtet und stattdessen mit Positiv- und Negativformen experimentiert. Die mittleren vier Quadrate der Glasfenster sind hier als Negative der umliegenden Felder gestaltet. Insgesamt werden zwei Grundformen variiert, eine auf rechteckigen, eine auf runden Formen basierende Kugel.
Vaserelys systematisierte Arbeit, die auf jede persönliche Handschrift des Künstlers bewusst verzichtet, passt zur Architektur der Ruhr-Universität, die 1964–1984 aus industriell vorgefertigten Bauteilen errichtet wurde.
Literaturhinweis:
Public Art Ruhr. Die Metropole Ruhr und die Kunst im öffentlichen Raum. Hg. von Walter Smerling und Ferdinand Ullrich im Auftrag der RuhrKunstMuseen, Köln 2012, ISBN 978-3-8632-134-0, S. 194–195.
Victor Vasarely
← Zur Startseite
Bochum, Ruhr-Universität, Hörsaalzentrum Ost, Universitätsstraße 150


