La Palla (Der Ball)

Als Hommage an das spielerische und poetische Wesen der Kunst kann die mehrteilige Arbeit des italienischen Arte povera-Künstlers Luciano Fabro gelesen werden. Sie besteht aus dem Rilke-Gedicht „Der Ball“, dessen Text als Bodenarbeit in einer beidseitig lesbaren Schrift vom Eingang des Museumskomplexes bis zum Kreisverkehr auf dem Schillerplatz führt. In der Mitte des Platzes ruht eine hochpolierte, silbrig glänzende Edelstahlkugel, in der sich ihre Umgebung widerspiegelt. Sie markiert den Wendepunkt der Textschlaufe. Gleichzeitig ist sie ein monumentales skulpturales Abbild des Gedichtes, nicht wirklich ein Ball, sondern ein Denkmal für all das, was ein Ball symbolisiert.
Der Ball
Du Runder, der das Warme aus zwei Händen
im Fliegen, oben, fortgiebt, sorglos wie
sein Eigenes; was in den Gegenständen
nicht bleiben kann, zu unbeschwert für sie,
zu wenig Ding und doch noch Ding genug,
um nicht aus allem draußen Aufgereihten
unsichtbar plötzlich in uns einzugleiten:
das glitt in dich, du zwischen Fall und Flug
noch Unentschlossener: der, wenn er steigt,
als hätte er ihn mit hinaufgehoben,
den Wurf entführt und freilässt –, und sich neigt
und einhält und den Spielenden von oben
auf einmal eine neue Stelle zeigt,
sie ordnend wie zu einer Tanzfigur,
um dann, erwartet und erwünscht von allen,
rasch, einfach, kunstlos, ganz Natur,
dem Becher hoher Hände zuzufallen.

Rainer Maria Rilke, 31.7.1907, Paris


Luciano Fabro

1936
geboren in Turin; gestorben in Mailand.
1954–1958
Als Künstler Autodidakt beschäftigte sich Fabro in dieser Zeit erstmals mit beweglichen Objekten und arrangierte sie zu Kunstobjekten.
1959
Umzug nach Mailand.
1972
Teilnahme an der Documenta 5 in Kassel.
1982
Teilnahme an der Documenta 7.
1992
Teilnahme an der Documenta 9.
1993
Antonio-Feltrinelli-Preis.
 
Luciano Fabro war einer der bekanntesten Vertreter der Arte povera. Als Kunsttheoretiker war er über 20 Jahre als Dozent an der Kunstakademie Brera in Mailand tätig.

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Ort
Herford
Herford, Goebenstraße bis zum Schillerplatz
Künstler
Luciano Fabro
Jahr
2004
Maße
Kugel 350 cm Durchmesser. Spruchband 153 m Länge
Material
Edelstahl
Objektart
Platz­gestaltungen
#nrwskulptur