Le temps déployé

Anamorphosen sind Kunstwerke, die ihre wahre Absicht dem Betrachter nur von einem bestimmten Standort aus enthüllen. Insofern konnten sie erst mit der Entwicklung perspektivischer Konstruktionen, insbesondere der Zentralperspektive, in der Renaissance entstehen. Es ist also folgerichtig, dass dieses Werk, das eine Umsetzung des Prinzips der Anamorphose in die zeitgenössische Kunst darstellt, vor dem Renaissance-Schloss Brake errichtet wurde, welches das Weserrenaissance-Museum beherbergt.
Die Skulptur, die aus jeder Richtung anders wirkt, wie eine willkürliche Anordnung von Metallstreben im Raum, schließt sich von einem bestimmten, genau berechneten Betrachterstandpunkt aus zu einer dreidimensionalen geometrischen Form zusammen. Es ist ein aus zwölf regelmäßigen Fünfecken bestehendes Dodekaeder, einer der fünf platonischen Körper, die ebenfalls von Künstlern der Renaissance im Zuge ihrer Perspektivstudien gern dargestellt wurden (z. B. Dürer, Melencolia I, 1514, enthält ein ähnliches Polyeder). Möglicherweise sind es diese historischen Bezüge, die zur Namensgebung des Kunstwerkes „Le temps déployé“ („Die entfaltete Zeit“) beigetragen haben.


Yves Charnay

1942
geboren in Saint-Chamond; lebt und arbeitet als Maler, Grafiker und Autor von Lichtkunstwerken, Installationen und Filmen in Paris.
 
Charnay ist Dozent für Farben, Licht und Szenographie an der Ecole Nationale Supérieure des Arts Décoratifs, Paris.
 
Zahlreiche Ausstellungen (z. B. in Frankreich, Deutschland, China) sowie Publikationen zur Farbtheorie.
Quellen:

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Ort
Lemgo
Lemgo, Schlossstraße 18 (Wassergraben Schloss Brake)
Künstler
Yves Charnay
Jahr
2004
Maße
550 x 700 x 1.200 cm
Material
Edelstahl
Kunst im öffentlichen Raum NRW