Lesewald
Mit der veränderten Wahrnehmung von Texten im Zeitalter der Massenmedien befasste sich Ferdinand Kriwet schon seit den 1960er Jahren. Damit gehörte er in dieser Zeit der Düsseldorfer Avantgarde an. Sein vielschichtiges Œuvre umfasst Hörspiele, Texte und visuelle Poesie, wie zum Beispiel seine „Rundschreiben“, in denen kreisförmig angeordnete Buchstaben, Worte und Sätze in der Betrachtung erlesen und erfahren werden können. Jeder „Leser“ stellt dabei individuelle Sinnzusammenhänge her.
In eine ähnliche Richtung weist auch Kriwets „Lesewald“, der eine skulpturale Abwandlung dieser Grundthematik darstellt. Fünfzehn zu einem „Wald“ gruppierte Säulen gleichen Durchmessers, aber unterschiedlicher Höhe, sind mit einem Wort schwarz auf weiß bedruckt, das sich nach oben hin versetzt mehrfach wiederholt. Trotzdem ist der Text nur schwer entzifferbar, denn die einzelnen Buchstaben bleiben fragmentarisch. Sie erscheinen so eher als grafische Elemente denn als Bedeutungsträger. Hier bleibt dem Betrachter die Wahl: Es ist möglich, in der Arbeit ein Sinnbild für die tägliche Reizüberflutung durch mediale Textbotschaften zu sehen. Man kann sich aber auch in den Wald hineinbegeben und ein ganz individuelles Werk konkreter Poesie erarbeiten.
Ferdinand Kriwet
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