LICHT-Formel

Dass auch ein Grabmal als Kunstwerk im öffentlichen Raum gestaltet werden kann, zeigt das Beispiel der vom Komponisten Karlheinz Stockhausen für sich selbst entworfenen Anlage. Sie besteht aus einem schlichten Kiesbeet und einem Grabstein aus weißem Marmor mit Namen, Beruf und Lebensdaten. Dem im oberen Abschluss ausgesparten Kreissegment ist eine runde Edelstahlscheibe eingelassen. Dieser eingraviert ist der Namenszug des Komponisten sowie ein Auszug aus der Partitur der Licht-Formel. Sie entstammt dem Mittwoch aus dem Hauptwerk des Opernzyklus Licht, den Stockhausen 1977 bis 2003 komponierte. Karlheimz Stockhausen lebte von 1965 bis zu seinem Tod 2007 in Kürten, wo er 1988 zum Ehrenbürger ernannt wurde. Die Grabstelle hatte Stockhausen schon in den 90er Jahren ausgewählt und sein Grab in Skizzen 1997 detailliert bis hin zur Bepflanzung entworfen. Seit 1998 finden in Kürten jährlich für 9 Tage die Stockhausen-Konzerte und -Kurse statt. Zahlreiche der über eintausend Interpreten, Musikstudenten, Professoren, Komponisten, Musikwissenschaftler, Musiklehrer, Konzertveranstalter und Musikliebhaber aus der ganzen Welt haben dieses Angebot bereits wahrgenommen und aus diesem Anlass vielfach auch dem Grab Karlheimz Stockhausens auf dem Waldfriedhof einen Besuch abgestattet.


Karlheinz Stockhausen

1928
geboren in Mödrath/Kerpen; 2007 gestorben in Kürten-Kettenberg.
1947-1951
Studium der Schulmusik mit dem Hauptfach Klavier an der Musikhochschule Köln sowie an der Universität zu Köln Musikwissenschaften, Germanistik und Philosophie.
Seit 1950
als Komponist tätig. Hinwendung zur seriellen Musik in den 1950er Jahren.
1953-1998
Zusammenarbeit mit dem Studio für Elektronische Musik des Westdeutschen Rundfunks.
1955
Gesang der Jünglinge, das als eines seiner zentralen Frühwerke gilt.
1970
Teilnahme an der Expo ’70, der Weltausstellung im japanischen Osaka, mit seinen elektroakustischen Kompositionen in einem eigens für seine musikalischen Vorstellungen errichteten deutschen Pavillon, der Kugelform hatte und eine Beschallung auch von unten und von oben ermöglichte.
1971-1977
Professor für Komposition an der Musikhochschule Köln, bis er dort 1977 gegen seinen Willen seines Amtes enthoben wurde.
1974
Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.
Seit 1977
Konzentration auf die Vollendung von Licht, der mit 29 Stunden Gesamtspieldauer, verteilt auf sieben Tage, umfangreichsten Oper der Musikgeschichte. Hier strebte Stockhausen die Verbindung von szenischer, visueller, raumakustischer und musikalischer Idee zu einer Einheit an.
1988
Ehrenbürger der Gemeinde Kürten.
1992
Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen.
1995
Bach-Preis der Freien und Hansestadt Hamburg.
1996
Ehrendoktorwürde der Freien Universität Berlin.
1999
Komponistenporträt des Rheingau Musik Festival.
2001
Polar Music Prize.

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Ort
Kürten
Waldfriedhof, 51515 Kürten.
Künstler
Karlheinz Stockhausen
Jahr
2008
Maße
Durchmesser 250 cm.
Material
Weißer Marmor/Stahl
Objektart
Grabanlage