Mahnmal für die Zwangsarbeiter im 2. Weltkrieg

Das Mahnmal für die Zwangsarbeiter im 2. Weltkrieg, das 1998 auf dem Freigelände hinter der Stadtbibliothek errichtet wurde, kann als Beispiel für eine gelungene Aufarbeitung der NS-Zeit in schulischem Rahmen gelten, die Anfang der 1990er Jahre begann. Zwei Jahre zuvor war entschieden worden, die erste Güthersloher Gesamtschule nach Anne Frank zu benennen und diese Namensgebung wurde auch als Auftrag verstanden. Den Anstoß gab das Aufspüren von Adressen ehemaliger ZwangsarbeiterInnen und die Fertigstellung einer Magisterarbeit von Till Kössler zum Thema „Arbeitseinsatz in der Mittelstadt. Ausländische Arbeiter im Raum Gütersloh im Spannungsfeld von Herrschaft und Gesellschaft, 1939-1945“ . Insgesamt gab es 22 Zivilarbeiter- und Kriegsgefangenenlager in der Stadt Gütersloh. In 40 Firmen waren zwischen 1939 und 1945 mindestens 3.800 Menschen aus anderen Nationen im Arbeitseinsatz. Von den Kriegsgefangenen und ZwangsarbeiterInnen starben in dieser Zeit 158 Personen, die vor allem aus Sowjetunion und aus Polen stammten.
Auf Grund der schulischen Beschäftigung mit diesem Thema entwarf Sonja Gerdes in ihrem Kunstkurs in der Oberstufe diese Plastik, die dann mit Hilfe eines größeren Arbeitskreises umgesetzt wurde. Aus einem kegelförmigen, amorphen Hügel, der im Bronzeguss noch die Bearbeitungsspuren des Tonmodells erkennen lässt, und so an Schlamm oder Erde erinnert, wachsen menschliche Körper – zunächst als fragmentierte Skelette, nach oben hin mehr und mehr als vollständige menschliche Figuren heraus. Den oberen Abschluss bildet ein sich umarmendes Paar. Auch eine Figur, die verzweifelt ihr Gesicht in die Hände stützt, ragt aus der sich nach oben verjüngenden Form heraus. Verschiedene Formen des Leids und des Elends, dem die Zwangsarbeiter ausgeliefert waren, werden so ins Bild gesetzt und wecken die Empathie des Betrachters.


Sonja Gerdes

unbekannt
Sonja Gerdes war Schülerin der Anne-Frank-Gesamtschule und zeichnete den Entwurf Skulptur in ihrem Kunstkurs in der Oberstufe. Umgesetzt wurde der Entwurf 1998 mit Hilfe der Initiative eines Arbeitskreises der Schule und der Stadt Gütersloh, die auch den Großteil der Kosten übernahm. Über den Werdegang und das künstlerische Schaffen von Sonja Gerdes ist leider nur wenig bekannt.

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Ort
Gütersloh
Unter den Ulmen 4, (hinter der Stadtbibliothek), 33330 Gütersloh
Künstler
Sonja Gerdes
Jahr
1998
Maße
Höhe 260 cm
Material
Bronze
Objektart
Denk-/ Mahnmale