Melilla Mauerspringer

Der bronzene Mauerspringer ist Teil des Kunstprojektes „Fünf Tore/fünf Orte“, das der damalige Direktor des Museums Marta, Jan Hoet, ins Leben gerufen hatte, um die Standorte der fünf historischen Stadttore Herfords mittels zeitgenössischer Kunst wieder ins Bewusstsein zu rufen. An jedem der Standorte sollte ein Künstler von einem der fünf Kontinente eine Arbeit realisieren.

Der Titel dieser Skulptur nimmt Bezug auf eine politische Situation sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart. Als „Mauerspringer“ wurden im Deutschland vor der Wiedervereinigung die Personen bezeichnet, die aus unterschiedlichen Motiven von West- nach Ostberlin über die innerdeutsche Mauer kletterten und damit einen illegalen Grenzübertritt entgegen die übliche Fluchtrichtung begingen. Melilla hingegen ist eine spanische Exklave an der nordafrikanischen Küste. Hier klettern tagtäglich Menschen über die meterhohen Drahtzäune, die vor Hunger, Armut und Krieg in ihrer Heimat fliehen und in ein vermeintliches „Paradies Europa“ gelangen möchten. Dieser bronzene Mauerspringer, ein afrikanischer Mann, befindet sich oben auf einem etwa 10 Meter hohen Mast, an dem er sich festhält, während er auf einer Video-Überwachungskamera sitzt, die Bilder aus dem städtischen Leben Herfords überträgt. Seine gelassene Haltung mit gekreuzten Füßen und in die Ferne schweifendem Blick steht im Kontrast zu der gefährlichen Situation, in der er sich befindet. So steht die Figur einerseits für historische Parallelen, aber auch für das menschliche Bestreben, Grenzen zu überschreiten und sich auch in scheinbar ausweglosen Situationen einen neuen Horizont zu erobern, der im besten Fall einen neuen, erweiterten Blickwinkel ermöglicht.

Die Skulptur ist ein Geschenk eines privaten Sponsors an die Stadt Herford und wurde in Zusammenarbeit mit dem Museum Marta Herford realisiert.

Informationen zum Projekt: https://de.wikipedia.org/wiki/Denkm%C3%A4ler_und_Kunst_im_%C3%B6ffentlichen_Raum_in_Herford#F%C3%BCnf_Tore/f%C3%BCnf_Orte


Fernando Sánchez Castillo

1970
geboren in Madrid, Spanien; lebt und arbeitet dort.
1993
Kunststudium an der Universidad Complutense, Madrid/Spanien.
1994
Casa de Velázquez, Madrid.
1995
Studium Philosophie und Ästhetik an der Universidad Autónoma, Madrid.
2000
École nationale supérieure des beaux-arts Paris/Frankreich. Fundación Marcellino Botin, Santander/Spanien.
2002
Stipendium Generación 2002, Caja Madrid.
2004
Stipedium Casa de Velázquez, Madrid.
2005/06
Stipendium an der Rijksakademie van beeldende kunsten, Amsterdam/NL.

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Ort
Herford
Lübbertor, Hinckleyufer, Ecke Jahnstr. / Mindener Str., 32049 Herford
Künstler
Fernando Sánchez Castillo
Jahr
2017
Maße
Höhe ca. 10 m
Material
Bronze, Stahlmast, Videokamera
Objektart
Skulptur