Nachtflug

Die Arbeit des Düsseldorfer Künstlers Gereon Lepper bildet ein Balance-System, das auf Wind- und Gravitationsenergie reagiert. Stahl, Aluminium, Kontergewichte – auf den ersten Blick mutet die Skulptur technisch und funktional an. Beim leisesten Windhauch erwacht sie jedoch zum Leben und vermittelt im „natürlichen“ Schwingen der Flügel eine unerwartete Leichtigkeit und Poesie. Dabei kann die Konstruktion auch stärkstem Sturm spielerisch standhalten.
„Nachtflug“ verbindet kinetische Skulptur und Lichtkunst. Durch Bodenstrahler intensiv angestrahlt, werden die an der Unterseite weiß beschichteten Schwingen bei Dunkelheit zu reflektierenden Leuchtkörpern. Alle übrigen Bauteile, matt anthrazitgrau beschichtet, sind nur diffus wahrnehmbar. Lichteffekt, Wasserspiegelung, Erdanziehung und Windkraft: die natürlichen Elemente gehen eine Symbiose mit dem industriellen Material ein, der scheinbar feindlichen Technologie. Ein weiß schimmerndes Nachtschattengewächs, ein riesiger weißer Vogel, eine fahl winkende Hand: die technische Skulptur ruft in Verbindung mit dem Element Licht natürliche Assoziationen hervor.
Die künstlerische Utopie, welche die Dichotomie von Natur und Technik verbindet, setzt an das Ende der Lichtpromenade ein Zeichen für Aufbruch, Versöhnung, Dynamik und Lebensfreude. „Nachtflug“ öffnet mit einem Flügelschlag Blick und Gedanken, führt in einer vitalen, befreienden Geste die Assoziationen der „Lichtpromenade Lippstadt“ fort, so dass der Endpunkt des Weges zugleich auch einen Anfangspunkt markiert.
Text: Dirk Raulf (Kurator)

Weitere Informationen: www.lippstadt.de/kultur/kultur/Lichtpromenade.php


Gereon Lepper

1956
geboren.
1979–1987
Studium an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf bei Professor Beate Schiff und Professor Klaus Rinke.
1988
Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen.
1993
August-Seeling-Förderpreis des Wilhelm-Lehmbruck-Museums.
1999
Robert-Jacobsen-Preis der Stiftung Würth sowie Staatspreis des Landes NRW - Geräte aus Metall
2005
1. Preis im Wettbewerb „Strom-Linie-Form“, Hattingen.
 
Gereon Lepper verbindet in seinen Werken Naturgesetze mit technischer Erfindung und überführt dies auf eine künstlerische Ebene. Ironisch hinterfragt er mit seinen Plastiken den menschlichen Versuch, die Naturgewalten durch den „Mythos Maschine“ zu kontrollieren.

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Ort
Lippstadt
Lippstadt, Friedrichstraße
Künstler
Gereon Lepper
Jahr
2003
Maße
ca. 5 x 6 Meter
Material
Stahl, Aluminium
Objektarten
Kinetische Werke, Lichtinstallationen
#nrwskulptur