No agreement today – no agreement tomorrow

Am Standort der Skulptur laufen fast alle Verkehrsachsen zusammen, an denen die zentralen urbanen Funktionen der Stadt Bergkamen liegen: Er kann als Knotenpunkt gesehen werden, von dem aus Politik, Verwaltung, Kultur, Wohnen, Einkaufen sowie öffentliche Verkehrsmittel gut erreichbar sind. Im Rahmen des „Kunstwettbewerbes Verkehrskreisel Bergkamen“ sollten die Kreisverkehre als „neue Stadttore“ im Bergkamener Zentrum neu definiert werden.
Der erste Preis wurde Andreas M. Kaufmann für eine Arbeit zuerkannt, die tagsüber wie eine statische Tischskulptur oder wie ein schwebender Pavillon wirkt. Mit der Dämmerung entsteht daraus eine dynamische Medienskulptur. Das 6 Meter hohe Stahlgerüst mit Plexiglasverkleidung beinhaltet insgesamt 24 sich abwechselnde Schwarz-Weiß-Dias, die von um sich selbst kreisenden Diaprojektoren an die Außenwand gestrahlt werden. Der Künstler zeigt sich verändernde und bewegende Bilder gestikulierender Menschen, die aus dem öffentlichen Leben (Sport, Kultur, Wirtschaft, Politik) und den Medien bekannt sind (z. B. Angela Merkel, Paris Hilton und Barack Obama).
Die vorbeigehenden bzw. -fahrenden Passanten sehen auf der Außenhaut der Skulptur die menschlichen Gesten, die sich mal scharf, mal unscharf überlagern, ausdehnen, verzerren, um sich im nächsten Moment zu einem Lichtpunkt zusammenzuziehen. Der Titel verweist auf die Unmöglichkeit einer „Zustimmung“ oder eines „Übereinkommens“ und verdeutlicht damit eine ironische und zeitkritische Intention. In ihrer Herauslösung der Abbildungen aus dem ursprünglichen Zusammenhang zeigen sie, dass in den Massenmedien zwar eine Selbstdarstellung möglich ist, echte Kommunikation und echtes Verständnis allerdings nicht.
Das zeigen auch die Diskussionen über das Kunstwerk, die vom Künstler beabsichtigt sind und durch einen jährlichen Diawechsel regelmäßig neu entfacht werden: Einmal im Jahr wird ein Dia durch ein neues, vom Künstler ausgewähltes Abbild ersetzt, wobei die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Bergkamen entscheiden, welches Dia herausgenommen wird.

Weitere Informationen: www.hellweg-ein-lichtweg.de


Andreas M. Kaufmann

1961
geboren in Zürich; lebt und arbeitet in Köln und Barcelona.
1984–1991
Studium an der Kunstakademie Münster bei Professor Timm Ulrichs und Professor Paul Isenrath. Designstudium in Münster und Dortmund.
1999–2001
Assistenz an der Hochschule für Medien in Köln bei  Professor Zbigniew Rybczynski.
2003
Gastprofessur mit Montse Badia am Goldsmiths College - Centre for Cultural Studies in London.
2004–2005
Co-Kurator der Ausstellung Paisatges Mediàtics, Fundació „la Caixa“, Barcelona.
 
Andreas M. Kaufmann ist, wie viele andere Künstler seiner Generation, kein Produzent von Objekten, sondern ein Produzent von Ideen und Experimenten, die von Anderen in Objekte umgesetzt werden. Ausgangspunkt seiner Arbeit ist im Allgemeinen die kritische Beobachtung der Medienwelt, dem Ort, an dem sich die traditionellen Grenzen zwischen Kommunikation, Information, Massenkultur und Werbung auflösen. Andreas M. Kaufmann sammelt seit 20 Jahren Medien-Bilder, die zum kollektiven Gedächtnis gehören. Daher setzt er sich in seiner Kunst mit der Öffentlichkeit, der menschlichen Identität und deren visuellen Abbildern auseinander.

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Ort
Bergkamen
Bergkamen, Am Rathaus
Künstler
Andreas M. Kaufmann
Jahr
2004
Maße
Höhe 620 cm
Material
Stahlgerüst mit Plexiglasverkleidung. 24 sich abwechselnde SW-Dias in 5 kreisenden Diaprojektoren
Objektarten
Kunst in Kreisverkehren, Lichtinstallationen, Videoinstallationen
Kunst im öffentlichen Raum NRW