Raumsäule
Die Neusser „Raumsäule“ korrespondiert nicht mit der Architektur ihrer Umgebung – sie setzt eher einen skulpturalen Kontrapunkt zu den Plätzen und Gebäuden, die sie umgeben. Sie benötigt viel freien Raum, um ihre Monumentalität zu entfalten. Diese Wirkung beruht auf zwei Komponenten: Form und Material.
Der Werkstoff Edelstahl zeigt keine Spuren der Bearbeitung, Hinweise auf den Herstellungsprozess sind vollständig getilgt. Erich Hauser sah seine Plastiken als „Hohlkörper, die von einer Haut aus Edelstahl umspannt“ sind. Die Verwendung des harten und stets kühl wirkenden Stahls lenkt den Blick des Betrachters auf die prägnante Form der „Raumsäule“.
Die Plastik ruht auf einem großen Betonsockel. Sie besteht aus einer großen Röhre, die im unteren Teil vielfach geknickt und verknotet ist. Aus dem Knoten ragt eine zweifach geknickte schmale Röhre auf, die im Augenblick des Zusammenstürzens festgefroren zu sein scheint. Beim Betrachten der Plastik aus unterschiedlichen Blickwinkeln entwickeln die verschränkten und komplexen Formen ihren Ausdruck von Spannung und Dynamik.
Sie befinden sich in einem äußerst labilen Gleichgewicht, mit dem der Künstler die Möglichkeiten und Grenzen der Statik und des Verhältnisses zwischen Körper und Raum auslotet. Mit dem nüchternen Kalkül, das zweifellos hinter der Konzeption der „Raumsäule“ steckt, befindet sie sich im Spannungsfeld zwischen (fiktivem) physikalischem Modell und Kunstwerk.
Quelle: „Skulpturen in Neuss“ – Autor: Dr. Christian Frommert
Erich Hauser
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Neuss, Grünfläche Zollstraße zwischen Romaneum und Rheinischem Landestheater