Steam
„Steam“ (Dampf) ist eine Arbeit, die Robert Morris 1967 erstmals realisierte. Im Jahr 2009 wurde sie anlässlich seiner monographischen Ausstellung auf der Freifläche vor dem Museum Abteiberg dauerhaft installiert. Seitdem quillt während der Wintermonate (November–Februar) für 15 Minuten zur vollen Stunde in den Öffnungszeiten des Museums weißer Dampf aus einer mit Lavasteinen belegten quadratischen Bodenfläche empor.
Robert Morris gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der amerikanischen Minimal-Art. Sein Werk ist jedoch formal und inhaltlich so breit gefächert, dass ihm diese Zuordnung allein nicht gerecht werden kann. In seinen Skulpturen, Installationen, Choreografien und Schriften geht es um eine Kunst, die sich dem eindeutig greifbaren Werkcharakter konsequent zu entziehen sucht. „Steam“ ist sinnlicher Ausdruck dieser auch theoretischen Reflektionen über das Wesen der Kunst.
Es gibt kein materielles Werk mehr, sondern Dampfschwaden, die aufsteigen, sich als Wolken oder Nebel formieren und wieder vergehen. Sie sind flüchtig und ungreifbar, lassen sich nicht festhalten oder „besitzen“ und eröffnen dennoch eine völlig neuartige Wahrnehmung des Ortes und zahllose Assoziationen. Sie mögen von heiligen heißen Quellen der Antike ausgehen bis zu Leonardo da Vincis Empfehlung an die Künstler, die Wolken zu beobachten; von der Erfindung der Dampfmaschine bis hin zu Caspar David Friedrichs „Wanderer über dem Nebelmeer“.
Deutlich wird in jedem Fall eine Neudefinition der künstlerischen Arbeit, die sich traditionell eher darum bemüht, das Flüchtige im Bild festzuhalten, während bei Morris das Ephemere zugelassen, ja gerade Bestandteil des künstlerischen Konzeptes ist.
Morris überließ dieses für die Kunst der 1960er Jahre wichtige Werk dem Museum Abteiberg in einer Art Treuhänderschaft, um dessen künftige Präsenz zu sichern (temporäre Installationen an anderen Orten als „Leihgaben“ werden genehmigt und durch das Museum Abteiberg kontrolliert). Es wurde mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder, des Landes Nordrhein-Westfalen sowie der Kunststiftung NRW erworben.
Weitere Informationen: www.museum-abteiberg.de/index.php?id=110
Literaturhinweis:
Robert Morris, Steam, 1995, deutsche Übersetzung, in: Robert Morris, Notes on Sculpture. Zwölf Texte, hg. von Susanne Titz und Clemens Krümmel, Zürich/Dijon 2010.
Robert Morris
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Mönchengladbach, Grünfläche vor dem Museum Abteiberg, Abteistraße 27


