Der Prophet
Kenneth Armitage gehört zur ersten Generation britischer Bildhauer, die in Folge des 2. Weltkrieges nach einer neuen Ausdrucksform suchten. Dabei dienten ihm sowohl die frühzeitliche Kunst, beispielsweise die Höhlenmalereien von Lascaux oder kykladische Idole, als auch die Stammeskunst Afrikas und Südamerikas als Anknüpfungspunkte. Über Zeit und Raum hinweg sah er die Kunst als eine Form der direkten Verständigung, unabhängig von Herkunft, Sprache und Lebensumständen. So ist auch "Der Prophet“ ein archaisch anmutendes Gebilde, ein großer, flacher, in seinem aufrechten Stand von einer Art Bank gestützter Hohlkörper mit unregelmäßigem Umriss in Form eines Kopfes. An Stelle eines Gesichtes strukturieren jedoch nur ein rechteckiger Schlitz und ein vorspringendes Rechteck die Binnenform. Diese können als architektonische Elemente, nämlich als Fenster und Dach, ebenso wahrgenommen werden, wie als Sinnesorgane Mund und Nase. In jedem Fall stehen sie für die Kommunikation der geschlossenen Form mit dem Außen, die sich einerseits nach innen hin öffnet und andererseits selbst in den Umraum hinausragt. Es entsteht das Bild eines unbenannten, keiner bestimmten Kultur zuzuordnenden Propheten, der wie der antike Seher Teiresias vielleicht blind ist, aber dennoch in auf eindrucksvolle Art im Austausch mit seiner Umgebung steht.
Literaturhinweis:
StadtKunstFührer: Skulpturen im Duisburger Stadtraum, hg. von der Stiftung Wilhelm Lehmbruck Museum, Duisburg 2012, S. 12/13.
Kenneth Armitage
← Zur Startseite
Lehmbruck Museum, Skulpturenhof, Düsseldorfer Str. 51, 47051 Duisburg


