Zwölfzeiger

Zurückhaltend, aber gleichwohl hintergründig und faszinierend begegnen die Arbeiten des Künstlers Norbert Radermacher im öffentlichen Raum nur demjenigen, der sie finden will oder der seine Umwelt generell sehr aufmerksam wahrnimmt. Anders als jene Werke, die den Raum definieren und dominieren wollen, können Radermachers Skulpturen genauso gut unentdeckt bleiben. Werden sie wahrgenommen, bescheren sie jedoch einen Moment der Irritation, des Staunens und des Erkennens.
An der Bochumer Eisenbahnbrücke Bergstraße installierte er an gegenüberliegenden turmähnlichen, aus Bruchstein gemauerten Brückenauflagen jeweils einen runden Leuchtkasten, der an eine Bahnhofsuhr erinnert. Anstelle einer kompletten Bezifferung erscheint hier jedoch nur eine Markierung dort, wo sich bei einer Uhr die Zwölf befände.
Auch gibt es nur einen, ähnlich wie bei einer Uhr montierten Zeiger. Auf diese Weise könnte die Installation noch mit einem modernen, minimalistischen Uhrendesign verglichen werden, bei dem man auch nie ganz genau weiß, wie spät es eigentlich ist, also die Form eindeutig über die Funktion gesiegt hat.
Radermachers Installation irritiert jedoch zusätzlich nicht nur durch den für eine Bahnhofsuhr ungewöhnlichen Anbringungsort. Der Zeiger, der hier gewöhnlich auf der Zwölf steht, setzt sich auch in unregelmäßigen Zeitintervallen in Bewegung, beschreibt einen vollständigen Kreis und bleibt dann wieder für einen ungewissen Zeitraum auf der Zwölf stehen. 
Diese die Zeitwahrnehmung irritierende Arbeit kann als Ergänzung der seit 1991 unter der Brücke vorhandenen Weltkarten desselben Künstlers gesehen werden, die zwei unterschiedliche Ansichten der Welt zeigen und nachts von dem Licht einer Straßenlaterne blass erleuchtet werden.
Der „Zwölfzeiger“ entstand im Rahmen des Projekts „KunstLichtTore“, bei dem die 16 Bahnunterführungen, welche die Bochumer Innenstadt wie Stadttore des Industriezeitalters einfassen, mit lichtkünstlerischen Werken gestaltet und aufgewertet wurden.


Norbert Radermacher

1953
geboren in Aachen; lebt und arbeitet in Berlin.
1973–1979
Studium an der Kunstakademie Düsseldorf.
1979
Stipendium der Ernst-Forberg-Stiftung.
1980
Auslandsstipendium des Deutsch-Französischen Jugendwerks in Paris.Beginn der situationsbezogenen Skulpturen im Stadtraum.
1983
Atelier im Künstlerhaus Bethanien, Berlin.
1985
Katalogförderung der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung;Arbeitsstipendium des Kunstfonds e. V.; Vordemberge-Gildewart Stipendium.
1988
Werkstatt-Stipendium, Philip Morris; Arbeitsstipendium des Berliner Senats.
1989
RENTA-Preis, Nürnberg; August-Seeling-Preis, Duisburg.
1990
Villa-Romana-Preis, Florenz
1991
Gastprofessur an der Akademie der Bildenden Künste, München.
1992
Professur an der Universität Kassel
2004–2010
Präsident des Internationalen Künstler Gremiums (IKG).

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Ort
Bochum
Bochum, Eisenbahnunterführung an der Bergstaße
Künstler
Norbert Radermacher
Jahr
2009
Maße
Durchmesser 80 cm
Material
zwei runde Leuchtkästen
Objektart
Lichtinstallationen
Kunst im öffentlichen Raum NRW